Christiane Fichtner

 

 

 


Biografie 029


Die Künstlerin Christiane Fichtner lebt in Hamburg. Aufgewachsen in einem „besseren“ Elternhaus, schafften es ihre Eltern doch, sie als ein bescheidenes Mädchen großzuziehen. Es fehlte ihr an nichts, die Familie lebte in einem Kleinfamilienhaus am Stadtrand. Ein nettes Häuschen, lichtdurchflutet, mit hellem Holz, in einer netten Gegend, mit netten Nachbarn, einfach eine angenehme Kindheit. Christiane ging in die Grundschule, anschließend ans Gymnasium, dort gehörte sie eher zu den Angepassten, Unauffälligen im Klassenverband. Sie hatte stets ein Ziel vor Augen, das ihr ihre Eltern gekonnt vorlebten. Die Eltern arbeiteten in angesehenen Jobs. Die Mutter war Arzthelferin, der Vater anerkannter Soziologe.


Christiane wollte einfach immer zu den Klassenbesten gehören, aber Beste musste sie nicht sein. Das wäre ihr zu viel Aufmerksamkeit gewesen.


Als sie 14 war, trug sie gern ein Tuch in den Haaren, so sah sie adrett und anständig aus. Sie wollte auch dieses geradlinige Leben führen wie die Eltern. Anständige Arbeit, angesehen von den Nachbarn, eine nette Familie gründen und so das Ganze eben, ganz normal sein, nicht auffallen durch irgendwelche Extravaganzen oder Ausschweifungen.


Pastelltöne waren ihre große Leidenschaft, diese Phase begann mit 16 Jahren. Ihr Zimmer war während dieser Zeit in Pastelltönen abgestimmt, ihre Kleidung hielt sie in diesen Farben und sogar ihr erstes Auto mit 18 Jahren war in Hellbeige, und das, obwohl Pastell damals gar nicht angesagt war. Sie fand diese Farben jedoch sehr chic, daher suchte sie in den Läden auch immer nach Dingen in solchen Farben, da ging kein Modetrend darüber.


Pastell zog sich auch durch ihre Lebenseinstellung. Vielleicht hängte es damit zusammen, dass sie genauso gerne das Spiel der Farben während der Jahreszeiten in der Natur beobachtete, besonders im Frühling. Dann kamen die Farben so richtig in ihren Pastelltönen daher, bevor sie so im Sommer richtig kräftig leuchteten. Den Winter, darunter, die noch verschlossenen Blüten einer Blume, darüber die frische Schneedecke, die der April noch mal geschickt hatte.
Christiane Fichtner stapfte durch die Wege und träumte von der wilden Natur, die hier am Stadtrand davon ahnen ließ. Hier waren wunderschöne Häuser, doch, die Natur fand Christiane in allem und jedem wieder. Die Farben in spiegelndem Glas, das Leuchten der Straßen im Nebel. Egal, alles leuchtete für sie.


Umso trister ihr Alltag der Vorzugsschülerin, der Vorzeigetochter, des Vorbilds für die nächste Generation, sie schien alles richtig zu machen im Leben. Fertig mit der Schule, mit dem Abitur, studierte sie Betriebswirtschaft. Das fand sie lukrativ und spannend, das mit den Zahlen lag ihr, da konnte sie gut kalkulieren, wer, wo, was, wie viel und warum. Es verschaffte ihr Sicherheit, etwas berechnen zu können, und sie wurde mit den Jahren mutiger.
Ihr Freund, den sie schon sieben Jahre lang kannte, liebte sie noch immer heiß und innig, er gab ihr viel Selbstbestätigung, sie liebte ihn auch, er war ein aalglatter Snob, aber es gefiel ihr, sie wollten beide dasselbe: Daher heirateten sie nach dieser Zeit, immerhin war sie mittlerweile schon 25 Jahre und es war an der Zeit. Kinder konnten warten, immerhin gab es schon die Möglichkeit, sich Eier einfrieren zu lassen.


Nach dem Studium gründete Christiane eine Firma, denn sie hatte eine prima Geschäftsidee. Sie fand, es fehle etwas Entscheidendes in den Geschäftsregalen: Pastelltöne für die Wohnung. Inzwischen waren Pastellfarben schon (wieder) Trend, doch es gab zu wenig Alltags- und Einrichtungsgegenstände für Christiane, die sie sich gewünscht hätte. Das ärgerte sie. Sie fragte sich, weshalb man sich die gesamte Einrichtung neu kaufen sollte, wenn man etwa einen Lieblingsschrank hat, den man gerade nicht hergeben will, oder sich einen neuen nicht leisten kann? Dann kam ihr eine fantastische Idee: Man konnte ihn doch bemalen! Sie spann den Gedanken immer weiter, und das war dann der Auslöser für die Entwicklung von Farben für den Heimgebrauch für Möbel, Accessoires und Gebrauchsgegenstände in Pastellfarben: in Hellgelb, Hellrosa, -blau, -grün, -lila.


Und so kam es dann, dass Christiane diese Geschäftsidee an den Mann/die Frau bringen musste. Sie kam in Künstlerkreise mit ihren Farben. Und plötzlich begannen auch die Maler/-innen, ihre Bilder in Pastellfarben zu malen. Diese Farben waren ein wunderbares, geschmeidiges, cremiges Farberlebnis, sie begann, sie mit Aromen zu versetzen, und die Menschen liebten sie noch mehr. Mittlerweile sind diese Farben legendär und jeder kennt Christiane Fichtners Farben, sowohl die Heimwerker/-innen als auch die Künstler/-innen. Das ist ein wohl einzigartiges Produkt, das so eine breite Konsumentenschicht anspricht.
Christiane Fichtner war der Hype um ihre Farben nach fünf Jahren zu viel geworden. Sie verkaufte die Firma für eine gute Summe. Sie kaufte sich mit dem Geld eine Finca auf Ibiza und kann es sich nun leisten, ihr Leben zu genießen, dort, wo sie sich nun den kräftigen Farben widmet. Nun malt Christiane selbst Bilder mit bunten, kräftigen Farben, Blüten, Papageien, lässt sich vom Land und den Leuten inspirieren. Sie hat einen Spanier geheiratet und kostet ihr Leben in vollen Zügen aus. Wer weiß, was sie als Nächstes herausbringt.

Text Sabine Reisenbüchler

 

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