Christiane Fichtner

Foto Christiane Fichtner 026

Biografie 026

Text: Peter Simon Altmann
Kostüm: Angelika Höckner
Foto: Annelies Senfter

 


Biografie 026


Der 29. August 2015 markiert einen Wendepunkt in Christiane Fichtners Leben. Christiane befand sich an dem Tag in Salzburg, um die Angelegenheiten für ihre Ausstellung im nächsten Jahr in der Stadtgalerie Lehen zu klären. Nach einem Abendessen mit der zuständigen Beamtin, spazierte Christiane alleine zurück ins Hotel.

Es war eine sternenklare Sommernacht. Um zurück ins Hotel zu gelangen, mußte Christiane die Salzach überqueren. Als sie beim Ufer des Flusses den Kopf des Makartsteges erreichte, fiel ihr der außerordentlich große Vollmond am nächtlich schwarzen Himmel auf.

Laut den Astronomen handelte es sich in der Tat um einen besonderen Vollmond, da der Mond auf seiner elliptischen Bahn in dieser Nacht der Erde so nah wie nur möglich kommt. Im Fachjargon heißt dies Perigäum, und durch den geringer ge-wordenen Abstand hat sich der Durchmesser des von der Sonne nächtlich beleuchteten Himmelskörpers scheinbar um ein beträchtliches Maß ausgedehnt. Es hatte den gleichen Effekt, als würde man anstelle einer Ein-Euro-Münze plötzlich eine Zwei-Euro-Münze in der Hand halten. Deswegen durchaus von einem Supervollmond gesprochen werden kann.

Christiane blieb zunächst nicht stehen, sondern ging einige Meter über den Steg. Jedoch konnten sich ihre Augen nicht mehr von dem Mond lösen, daher sie schließlich auf halber Brücke haltmachte.

Sie wunderte sich, daß nicht andere Menschen es ihr gleich taten. Bemerkte denn niemand außer ihr, was für ein einzig-artiger Mond in dieser Nacht am Firmament schwebte?

Es schien auch wirklich keiner dem mächtigen Himmelskörper lange Aufmerksamkeit zu schenken. Die Menschen rannten wie immer ihren Vergnügungen nach. Nur für Sekunden fiel ein Blick in seine Richtung oder wurde schnell zusammen mit dem von künstlichem Licht erhellten Schattenriß der Festung von ihm ein Foto geschossen.

Für Christiane ging aber gleichsam ein Anruf von diesem Supervollmond aus. Während sie sich der Betrachtung hingab, sprach der volle Mond von einem anderen Leben zu ihr; nicht unbedingt von einem moralischeren oder besseren. Christiane wurde in diesem Moment nur klar, daß sie völlig anders leben könnte als bisher, auch wenn sie nicht sagen hätte können, wie dieses andere Leben en gros oder en détail aussah. Allein die Möglichkeit in Zukunft die Stunden gänzlich anders zu verbringen, daß sie jetzt oder morgen ihrer Biografie eine neue Richtung geben könnte, wurde ihr bewußt und berauschte sie.

Es war mehr das Gefühl eines anderen Lebens, weniger die Vorstellung davon. Und sie fällte in diesem Augenblick auch keinen folgenreichen Entschluß.

Der Supervollmond vom 29. August wies in Neuland, das sie Schritt für Schritt erkunden würde. Froh gestimmt und zuversichtlich setzte Christiane Fichtner ihren Weg fort. Sie würde diesem Anruf des Mondes folgen, auch wenn sie in keinster Weise wußte, wohin er sie führt, noch was sie erwartet.

 

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